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Urban Mining – Recycling Gold

Urban Mining – Recycling Gold

Material

Was wäre Schmuck ohne die besondere Schönheit von Gold und Silber?? Es ist wirklich schwer vorstellbar. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen, woher dieses wertvolle Edelmetall kommt und welche Auswirkungen seine Gewinnung haben kann.

Denn der Abbau von Gold ist mit Eingriffen in Landschaften und Ökosysteme verbunden und kann – abhängig von Abbaumethode und Region – erhebliche Auswirkungen auf Menschen, Böden, Gewässer und die Umwelt haben. [1][2]

Eine Möglichkeit, bereits vorhandenes Gold erneut zu nutzen, ist Recyclinggold. Genau darum geht es beim Urban Mining: Wertvolle Rohstoffe, die bereits vorhanden sind, werden zurückgewonnen, aufbereitet und erneut in den Materialkreislauf gebracht.

Eins ist klar: Wir müssen genauer hinschauen

Bei Maren Jewellery beschäftigen wir uns intensiv damit, woher unser Gold stammt, wie es verarbeitet wird und welche Auswirkungen mit den unterschiedlichen Bezugsquellen verbunden sind. Unsere Materialien und Lieferketten dokumentieren wir in unserem Nachhaltigkeitsreport.

Gerade bei Gold gibt es darauf keine ganz einfache Antwort. Einerseits ist das Edelmetall ein langlebiges Material, das immer wieder neu verarbeitet werden kann. Andererseits ist seine Gewinnung aus der Erde mit ökologischen und sozialen Herausforderungen verbunden.

Deshalb möchten wir nicht mit pauschalen Versprechen arbeiten, sondern möglichst konkret zeigen, welche Materialien wir verwenden, woher sie stammen und auf welchen Daten unsere Entscheidungen beruhen.

Für wenig Gold wird viel Material bewegt

Gold kommt in vielen Lagerstätten nur in sehr geringen Konzentrationen im Gestein vor. Um vergleichsweise kleine Mengen Gold zu gewinnen, müssen deshalb große Mengen Gestein abgebaut, bewegt und verarbeitet werden. Genau hier beginnt ein wesentlicher Teil der Umweltwirkungen, die mit neu gewonnenem Gold verbunden sein können.

Wie wichtig die Wahl des Edelmetalls für ein Schmuckstück sein kann, zeigt auch eine Lebenszyklusstudie zur Herstellung eines Rings: Bei dem untersuchten Silberring entfielen rund 94 % der ermittelten Treibhausgasemissionen auf die Rohmaterialbeschaffung. [6] Die Untersuchung bezieht sich zwar auf Silber und lässt sich nicht direkt auf Gold übertragen – sie verdeutlicht aber, warum wir bei Schmuck besonders genau auf das verwendete Edelmetall und seine Herkunft schauen.

Beim Goldabbau selbst entstehen die Auswirkungen bereits lange bevor aus dem Material ein Schmuckstück wird. Gestein muss abgebaut, zerkleinert und verarbeitet werden, um das darin enthaltene Gold zu gewinnen. Je nach Lagerstätte und Abbauverfahren kommen dabei unterschiedliche technische Prozesse zum Einsatz.

Zur Goldgewinnung kann im industriellen Bergbau beispielsweise Cyanid verwendet werden. Im handwerklichen und kleinmaßstäblichen Goldbergbau kommt in einigen Regionen weiterhin Quecksilber zum Einsatz. Werden diese Stoffe nicht sachgerecht eingesetzt und behandelt, können sie erhebliche Risiken für Menschen, Böden und Gewässer verursachen. [1][2]

Auch deshalb schauen wir bei Maren Jewellery nicht erst auf das fertige Schmuckstück, sondern bereits auf das Material und seine Herkunft.

schlichte Eheringe aus recyceltem Gold

So wirkt sich Goldabbau auf die Umwelt aus

Die Gewinnung von Gold aus Primärquellen greift in natürliche Landschaften ein. Für Minen werden Flächen erschlossen, Gestein bewegt und anschließend verarbeitet. Je nach Standort und Verfahren können dadurch Böden, Gewässer und Ökosysteme beeinträchtigt werden. [1]

Auch der Einsatz von Cyanid und Quecksilber spielt in der Goldgewinnung eine Rolle. Während Cyanid unter anderem im industriellen Goldbergbau eingesetzt wird, kommt Quecksilber insbesondere im handwerklichen und kleinmaßstäblichen Bergbau in verschiedenen Regionen der Welt vor. Werden diese Stoffe nicht sachgerecht gehandhabt, können sie Menschen und Umwelt gefährden. [1][2]

Die tatsächlichen Auswirkungen des Goldabbaus unterscheiden sich jedoch stark – unter anderem abhängig von Mine, Region, Erzgehalt, eingesetzter Technologie, Energieversorgung und Umweltstandards. Deshalb möchten wir einzelne Kennzahlen nicht pauschal auf jedes neu gewonnene Gold übertragen.

Gold Mine in Riotinto, Huelva, Spanien. Dieses Gebiet am Rio Tinto im andalusischen Spanien wurde für Kupfer, Silber, Gold und andere Mineralien abgebaut

Alte Gold Abbau Miene - Minas de Riotinto – Bergbau am Río Tinto

Was ist mit Fair Trade Gold?

Zertifiziertes Gold aus dem Kleinbergbau verfolgt einen anderen Ansatz als Recyclinggold. Dabei wird weiterhin neues Gold gewonnen, der Abbau erfolgt jedoch nach definierten Anforderungen an soziale und ökologische Bedingungen.

Solche Zertifizierungssysteme können unter anderem Vorgaben zu Arbeitsbedingungen, Rückverfolgbarkeit und zum Umgang mit Chemikalien enthalten. Gleichzeitig bleibt auch zertifiziert gewonnenes Gold mit dem Abbau neuer Rohstoffe und entsprechenden Eingriffen in die Umwelt verbunden.

Bei Maren Jewellery betrachten wir Recyclinggold und zertifiziert gewonnenes Gold deshalb als unterschiedliche Ansätze. Welches Gold wir verwenden, hängt vom jeweiligen Schmuckstück und seiner Lieferkette ab. Die konkrete Materialangabe findest Du auf der jeweiligen Produktseite.

Darum setzen wir vor allem auf recyceltes Gold

Gold besitzt eine besondere Eigenschaft: Es kann zurückgewonnen, raffiniert und erneut verarbeitet werden. Bereits vorhandenes Gold kann damit wieder als Rohstoff für neue Schmuckstücke genutzt werden. [3]

Recyclinggold kann beispielsweise aus bereits verarbeitetem Schmuck, Produktionsresten oder anderen goldhaltigen Sekundärmaterialien stammen. In einer Scheideanstalt werden die enthaltenen Edelmetalle zurückgewonnen und raffiniert, sodass das Gold erneut verarbeitet werden kann. [3]

Für unserer Schmuckstücke verwenden wir recyceltes Gold von der Scheideanstalt C Hafner in Pforzheim.

Auch die Aufbereitung von Recyclinggold benötigt Energie, Chemikalien und weitere Ressourcen. Recyclinggold ist deshalb nicht frei von Umweltwirkungen. Beim Treibhauspotenzial zeigt die von uns herangezogene Lebenszyklusanalyse von C.HAFNER jedoch einen deutlichen Unterschied zwischen dem untersuchten Recyclingprozess und der Gewinnung von Primärgold. [4]

Recyclinggold und Primärgold im CO₂e-Vergleich

Für unseren Vergleich nutzen wir die Lebenszyklusanalyse von C.HAFNER, die gemeinsam mit dem Institute for Industrial Ecology der Hochschule Pforzheim erstellt und einem Critical Review durch treeze Ltd. unterzogen wurde. [4]

Für die betrachtete Aufbereitung von Recyclinggold bei C.HAFNER weist die Analyse einen Wert von 36 kg CO₂e pro Kilogramm Recyclinggold aus.

Für Primärgold wird in derselben Untersuchung auf Basis des verwendeten ecoinvent-Mining-Datensatzes ein Wert von 10.988 kg CO₂e pro Kilogramm Gold angesetzt. [4]

Vergleicht man diese beiden Werte miteinander, liegt der ausgewiesene CO₂e-Wert des betrachteten Recyclinggoldes rund 300-mal niedriger als der angesetzte Vergleichswert für Primärgold.

36 kg CO₂e/kg Recyclinggold von C.HAFNER vs. 10.988 kg CO₂e/kg Primärgold ≈ 300 × niedrigerer CO₂e-Wert im betrachteten Vergleich [4]

Wichtig für die Einordnung: Die Zahlen beziehen sich auf die in der C.HAFNER-Lebenszyklusanalyse untersuchten Prozesse und die dort verwendeten Datensätze. Sie sind keine allgemeingültigen Werte für jedes Recycling- oder Minengold. Tatsächliche Emissionen können unter anderem je nach Mine, Herkunft, Erzgehalt, Energieversorgung sowie Recycling- und Raffinationsverfahren variieren. [4]

Urban Mining: Gold im Kreislauf halten

Genau hier setzt der Gedanke des Urban Mining an. Wertvolle Rohstoffe werden nicht in natürlichen Lagerstätten gesucht, sondern in bereits vorhandenen Produkten und Materialien.

Bei Gold können beispielsweise alter Schmuck, Produktionsreste oder andere goldhaltige Sekundärmaterialien gesammelt, aufbereitet und raffiniert werden. Das zurückgewonnene Gold kann anschließend erneut verarbeitet werden. [3]

Auch wir führen geeignete Edelmetallreste aus unserer Verarbeitung wieder in den Materialkreislauf zurück. Mehr über diesen Ansatz erfährst Du in unserem Journal zur Kreislaufwirtschaft,

Urban Mining bedeutet dabei nicht, dass Recycling ohne Auswirkungen auf die Umwelt funktioniert. Der Ansatz ermöglicht jedoch, bereits vorhandenes Gold erneut zu nutzen, anstatt für die entsprechende Materialmenge auf neu gewonnenes Gold zurückzugreifen.

Auch der WWF und derVerein Rettet den Regenwald informieren über die Auswirkungen des Goldabbaus und die Bedeutung der Wiederverwendung bereits vorhandener Goldbestände. [1][5]

Und weil auch die lange Nutzung eines Schmuckstücks für uns eine wichtige Rolle spielt, haben wir in unserem Journal über die Reinigung von Goldschmuck Tipps zusammengestellt, mit denen Du Deinen Goldschmuck pflegen kannst.

kleiner Nugger Anhänger aus Altgold mit Labordiamant in Herz Fassung

Machen wir es uns damit nicht zu einfach?

Recyclinggold allein löst die Herausforderungen des weltweiten Goldabbaus nicht. Auch wenn bereits vorhandenes Gold erneut genutzt wird, bleibt der Bergbau für viele Menschen weltweit eine wichtige Lebensgrundlage.

Gerade deshalb möchten wir die sozialen Fragen rund um den Goldabbau nicht ausblenden.

Maren Jewellery unterstützt die Earthbeat Foundation  mit 3 % unseres Gewinns. Die Organisation arbeitet unter anderem in Regionen, in denen Menschen vom kleinmaßstäblichen Bergbau abhängig sind, und unterstützt dort Projekte, die alternative Einkommensmöglichkeiten und neue Perspektiven schaffen.

Für uns gehören deshalb beide Perspektiven zusammen: bereits vorhandene Ressourcen möglichst lange im Kreislauf zu halten und gleichzeitig die Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, deren Lebensgrundlage mit dem Goldabbau verbunden ist.

Unser Umgang mit Gold: bewusst gewählt, transparent erklärt

Unser Umgang mit Gold ist deshalb keine einfache Entweder-oder-Entscheidung. Wir prüfen, welches Material wir für ein Schmuckstück einsetzen, dokumentieren unsere Lieferketten und möchten nachvollziehbar kommunizieren, auf welcher Grundlage wir Entscheidungen treffen.

Recyclinggold ist dabei ein wichtiger Teil unseres Materialansatzes: Bereits vorhandenes Gold wird zurückgewonnen und erneut verarbeitet. Für den von uns betrachteten Recyclingprozess bei C.HAFNER zeigt die aktuelle Lebenszyklusanalyse einen deutlich niedrigeren CO₂e-Wert als für den darin angesetzten Primärgold-Datensatz. [4]

Für uns ist das ein guter Grund, Gold nicht nur als wertvolles Material zu betrachten, sondern auch seine Herkunft und seinen Weg immer wieder neu zu hinterfragen.

Quellen:

[1] WWF Deutschland: „Gold – alles andere als glänzend für die Umwelt“.
Online verfügbar unter: https://www.wwf.de/themen-projekte/waelder/mining/gold-mining

[2] International Labour Organization (ILO): „Artisanal and small-scale gold
mining baseline report: Camarines Norte and South Cotabato“, 2020.

[3] C.HAFNER GmbH + Co. KG: „Erklärung zum Recycling von Gold, Platin und
Silber“, 2025. Online verfügbar unter: https://www.c-hafner.de/fileadmin/user_upload/pdf/Herkunftserklaerung_D.pdf Abruf: 27.08.2026.

[4] C.HAFNER GmbH + Co. KG / Institute for Industrial Ecology (INEC), Pforzheim
University: „Life Cycle Assessment and Carbon Footprint of Precious Metal
Recycling by C.HAFNER – Summary of the Company LCA“, 2022. Critical Review
durch treeze Ltd. Online verfügbar unter: https://www.c-hafner.de/fileadmin/user_upload/pdf/Life_Cycle_Assessment_and_Carbon_Footprint_of_
precious_metal_recycling_by_C.HANFER_-_Summary_INEC___treeze_en.pdf

Abruf: 27.08.2026.

[5] Rettet den Regenwald e.V.: Informationen zu Goldförderung und ihren
Auswirkungen. Online verfügbar unter:
https://www.regenwald.org/themen/gold

[6] Usapein, P.; Tongcumpou, C. (2016): „Greenhouse Gas Emission in Jewelry
Industry: A Case Study of Silver Flat Ring“. Applied Environmental Research,
Vol. 38(1), S. 11–18. DOI: 10.35762/AER.2016.38.1.2. Online verfügbar unter: https://ph01.tci-thaijo.org/index.php/aer/article/view/40881

[7] Thammaraksa, C.; Wattanawan, A.; Prapaspongsa, T. (2017): „Corporate
environmental assessment of a large jewelry company: From a life cycle
assessment to green industry“. Journal of Cleaner Production, Vol. 164, S.
485–494. Online verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959652617313896

Aus diesem Blogpost

 
Zarte, schmale Eheringe aus recyceltem Gold
 
kleiner Nugger Anhänger aus Altgold mit Labordiamant in Herz Fassung
M Symbol für Autor Moritz Hackl

Written by Moritz Hackl

Moritz ist Texter, Blogger und Journalist und lebt in München. Am liebsten schreibt er über die schönen Dinge des Lebens - wie zum Beispiel über nachhaltigen Schmuck.
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